Was ist dran am Axe Effect?

Disclaimer: die Einstellung, dass es nur zwei Geschlechter gibt, in die sich jede:r einordnen soll, ist ignorant. Im folgenden Text werde ich auf „Männer“- und „Frauenprodukte“ eingehen, weil es in der breiten Masse der Kosmetikartikel derzeit eben nur diese beiden Sparten gibt, die vermarktet werden. 

 

Die ein oder andere Frau hat es schon mal aus der Not heraus gemacht: das Deo vom männlichen Bekannten verwendet, weil es keine Alternative gab. Und meinem Eindruck nach ist das in den meisten Fällen von Axe. Aber wieso sollte man denn als Frau auch ein Deo verwenden, das wenn man der Werbung glaubt - Scharen von Frauen herbeizaubert, die sich um dich reißen oder dich nach Stahl, Eis, Stein oder sonst was das männlich in Szene gesetzt wird riechen lässt? Als Frau in unserem heteronormativen System verwendet man nämlich - obwohl man prinzipiell nicht schwitzt – Deo, das dezent nach Blumen oder Früchten riecht. 

Ich habe es mir also als Ziel gesetzt eine Woche lang typisch männliches Deo von Axe zu verwenden und zu beobachten ob es etwas mit mir macht. 

Zwischen Idee und Durchführung ist einige Zeit vergangen, vor allem weil ich Angst vor Reaktionen von außen hatte a la „Warum riechst du so?". Erst nach der Bestärkung von Freundinnen, die sich über die Idee amüsiert haben bzw. sie interessant fanden, habe ich den Mut gefasst es zu probieren. Ja, ich arbeite noch daran meiner eigenen Meinung zu trauen. 

Als ich dann am nächsten Morgen das erste Mal das Deo benutze fällt mir der angenehme, beruhigende Geruch auf, der viel stärker präsent ist als die Gerüche meiner herkömmlichen Produkte. Der Moment ist für mich super aufregend und ich fühle mich wohl und beschützt: „Habe ich jetzt in mir den Mann gefunden, den sich meine Eltern immer für mich gewünscht haben?" 

Beflügelt von meinem Axe Confidence Boost fällt mir den Tag über auf, dass ich mich tatsächlich selbstsicherer fühle und meine Aussagen kaum mehr als Fragen sondern tatsächlich als Aussagen ausspreche. 

Nach der Arbeit gehe ich dann zu meiner Stammdrogerie und verbringe dort viele Minuten vor den Deo-Regalen. Was mir dabei auffällt ist, dass die Preise der Männerdeos im Vergleich zu denen der Frauendeos niedriger sind, so wie ich es mir schon dachte (Stichwort: Pink Tax). Die meinem Eindruck nach am stärksten beworbenen Marken wie eben Axe bei Männern und Rexona bei Frauen sind darüber hinaus beide von Unilever. Hm, the more you know – aber auch hier mal wieder wenig überraschend, dass am Ende alles vom selben Konzern kommt. Außerdem fand ich spannend, dass fast alle Frauendeos als Grundfarbe Weiß sind und die der Männer Schwarz oder Dunkelblau. Und die Auswahl an Frauendeos ist – zumindest in dieser Drogerie – mehr als doppelt so groß wie die der Männerdeos (Fotos dazu ganz oben). 

 

Am nächsten Morgen stehe ich auf, dusche mich ausgiebig, sprühe mich danach schön mit meinem Axe Deo ein bevor ich meinen pinken Bademantel anziehe, den ich mal geschenkt bekommen habe und denke weiter über Geschlechterstereotype nach. Wusstest du zum Beispiel, dass früher, also bis zu den 1940er Jahren, rosa als Bubenfarbe und blau als Mädchenfarbe gesehen wurde? Der Grund war damals, dass Rot als Zeichen der Männlichkeit, Könige und Stärke galt und Rosa als das „kleine Rot“ gesehen wurde. Blau galt, weil es anmutiger ist, als Mädchenfarbe. 

 

Aber zurück zum Deo. Die nächsten Tage rieche ich es schon nicht mehr so intensiv, fühle mich aber nach wie vor beschützt. An einem Abend gehe ich auf eine Feier (das Experiment fand natürlich vor dem Lockdown statt) und merke beim Herrichten, dass ich mich viel stärker geschminkt habe als sonst. Habe ich unterbewusst versucht mich „weiblicher“ zu machen? Egal, das Make Up sieht hübsch aus und ich peppe den Look noch mit Männerparfum auf bevor ich zur S-Bahn renne weil ich zu spät dran bin. 

Schon bevor ich mich - übertrieben außer Atem - auf einen Sitz werfe, merke ich, dass ich schwitze. So sehr merke ich meinen Schweiß gewöhnlich nicht, also nutze ich die Feier gleich mal um mit Männern über ihre Deoerfahrungen zu sprechen. Dabei erfahre ich, dass es bei den Axe Deos Bodysprays und Antitranspirante gibt. Der Blick auf meine geborgte Axe Dose verrät mir, dass ich das Bodyspray verwende. Jetzt wundert es mich nicht mehr, dass ich mehr schwitze als sonst und der Geruch stark präsent ist. 

Am letzten Tag des Experiments habe ich mich schon sehr an den Geruch gewöhnt und nehme ihn kaum mehr wahr. Als mein damaliger Chef offensichtlich schwer verkühlt und hustend ins Büro kommt, werde ich wütend, konfrontiere ihn so höflich wie möglich damit, dass es unverantwortlich ist während einer Pandemie unnötig krank herumzulaufen und er packt daraufhin tatsächlich seine Sachen und geht. Ob es nun am Axe Deo lag, dass ich eine typisch unweibliche Emotion wie Wut ausgelebt habe und das Selbstvertrauen gefunden habe meine Meinung klar und deutlich zu sagen weiß ich nicht, geschadet hat es aber sicher nicht. 


Als ich am darauffolgenden Tag wieder auf mein Deo umsteige (eine Deocreme aus dem Glas, die nach Pfirsich riecht – wir sollten echt keine Spraydosen mehr verwenden) bin ich froh, dass ich das durchgezogen habe und habe das Gefühl, dass ich durch den Versuch selbstsicherer geworden bin. Ich weiß jetzt, dass ich – egal wie ich rieche – Raum einnehmen darf und das darfst du natürlich auch.

Danke, dass du meinen Beitrag gelesen hast. Ich hoffe ich konnte dich damit inspirieren dich etwas neues zu trauen. Schreib mir gerne auf Instragram @diemaxmustermann deine Gedanken dazu und was ich als nächstes ausprobieren soll.