Diemaxmustermann – mein Weg zur Feministin

 

Der erste Berührungspunkt mit dem Thema Feminismus, an den ich mich erinnern kann, war mit etwa 12, als ich immer wieder in Magazinen oder im Internet las, dass berühmte Frauen sich nicht als Feministinnen bezeichnen wollen. Es war eine komische Zeit, als es noch sehr negativ besetzt war (was sich heute noch nicht ganz geändert hat) und sich keine:r wirklich als Feministin „outen“ wollte. 

Mit 14 bin ich auf Lena Dunham‘s HBO Serie „Girls“ gestoßen, in der eine Gruppe an Freundinnen in New York als junge Erwachsene zu überleben versuchte. Ich war fasziniert von Lena Dunham, die die Autorin der Serie, aber auch die Hauptrolle darin war. Sie zeigte sich des Öfteren nackt und ihr Körper war geschmückt von riesigen Tattoos und sah ganz normal aus. Nicht das bis zur Unkenntlichkeit bearbeitete Bild von Frauenkörpern, das ich bis dahin immer gesehen hatte. Es gab mir ein wahnsinnig gutes Gefühl zu sehen, wie selbstbewusst sie wirkte und wie sehr sie zu ihrem Körper stand. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal meine Periode bekommen, las aber schon immer sehr neugierig in verschiedenen Frauenmagazinen, welche neuen Diäten ich ausprobieren solle, um möglichst dünn zu werden. Warum dünn zu sein das Ziel jeder Frau sein sollte, verstand ich nicht ganz aber hinterfragte es auch nicht. Außerdem steckte ich lange viiiel Energie darin Burschen zu gefallen, weil ich dachte das Lebensziel als Frau ist es irgendwann zu heiraten und dann hat sich die Sache. 

Während meines Bachelor-Studiums an der Wirtschaftsuniversität Wien durfte ich mir 2018 zwei Spezialisierungen aussuchen (bzw. musste ich darum kämpfen in zwei reinzukommen, aber das ist eine andere Geschichte). Eine davon war Diversitätsmanagement. Ich konnte mir davor nicht wirklich etwas darunter vorstellen, aber die Kurse, die ich in diesem Zusammenhang besuchte haben meine Sicht auf die Welt grundlegend geändert. In der ersten Einheit wurde gesagt „Ein Privileg ist das, was wir nicht sehen“. Dieser Satz prägt mich seit dem. 

Als ich dann in die Arbeitswelt eingestiegen bin, wurde mir immer deutlicher bewusst, wie unterschiedlich Frauen und Männer behandelt werden und als wie normal die strukturelle Benachteiligung der Frauen angesehen wird. Und um die Brücke zu dem Satz mit den Privilegien zu schlagen: ich als vom System benachteiligte Frau habe „nur“ diese Diskriminierung gespürt. Was ich persönlich nicht spüre sind Diskriminierungen, die zum Beispiel People of Colour oder Menschen mit Behinderung erfahren. Die Thematisierung von Mehrfachdiskriminierungen findet als intersektionaler Feminismus statt. Feminismus ist also keine Bewegung von männerhassenden Frauen, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Beim Feminismus geht es darum die Bedürfnisse jeder Person zu respektieren und eine Chancengleichheit zu ermöglichen. Um das zu erreichen muss sich noch so einiges ändern in unserer Welt, die heute auf Max Mustermann ausgerichtet ist. 

Im Herbst 2021 habe ich den Verein WoMentor kennengelernt, der sich damit beschäftigt das Thema Gender Equality auf die Agenden von Unternehmen zu bringen und engagiere mich dort im Event Team. Durch diese Tätigkeit habe ich viele inspirierende und starke Frauen kennengelernt, die sich auch individuell für intersektionalen Feminismus einsetzen. 

Derzeit schreibe ich an meiner Masterarbeit über das Defizit an Frauen in der Baubranche und dabei wurde mir klar, dass mir diese Aufarbeitung alleine nicht reicht. Deshalb habe ich diesen Blog gestartet, auf dem ich alle möglichen feministischen Themen aufgreifen und mich dazu austauschen möchte. 

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast diesen Text zu lesen! Schreib mir gerne deine Gedanken dazu @diemaxmustermann auf Instagram.