Corona Isolation mit Depressionen 

 

Schön langsam kann und will ich es gar nicht mehr zählen. Tag 7 in Selbstisolation, weil ich mich nun nach 2 Jahren, in denen es dieses deppate Virus (pardon my french) gibt, angesteckt habe. Woher ich es habe, weiß ich nicht. Mittlerweile verbreitet es sich so schnell und wird oft als etwas abgetan, das jetzt eben dazugehört. „Jetzt erwischt es eben jede:n einmal“ hörte ich die letzten Wochen und Monate viel zu oft von Leuten, die es noch nicht hatten. Siehst du? Das „noch“ im letzten Satz impliziert ja, dass ich auch schon denke, dass es alle mal treffen wird. 

Die letzten 2 Jahre habe ich mich an jede bescheuerte Regel gehalten und mich selbst beim Nasenabstich um die 1000 mal zum Niesen gebracht oder es ausgehalten wenn mir von jemandem zweifellos viel zu tief mit einem Stäbchen ins Hirn gestochen wurde. 

Diesen Montagmorgen war es dann soweit. Ich merkte, dass ich eine schwere Erkältung habe und noch schwerer als sonst schon aus dem Bett komme. Der Schnelltest zeigt den prallsten zweiten roten Streifen, den ich je gesehen hab (wobei ich noch nicht viele gesehen habe). Und während ich mich todesverschlafen beim Gurgeln selbst filme merke ich schon, dass alles anders ist. 

Die ersten drei Tage vergingen wie ein einziger Fiebertraum. Ob ich Fieber hatte weiß ich nicht, ich hab kein Fieberthermometer und war zufrieden genug damit, dass ich alle paar Stunden aufwachte und 2-3 Schlucke kalten Tee runterwürgen konnte. 

Ich hatte zuvor gehofft, dass ich meine Isolation als Pause von der stressigen Welt nutzen könne, in der ich endlich genug Zeit zum Lesen, Malen und Schreiben hätte. So richtig eintauchen in meine Kreativität. Ich tauchte mich aber nur selbst jeden Tag für 10 Minuten in ein Erkältungsbad und die einzige Beschäftigung, die mir nicht zu anstrengend war, war es Podcasts zu hören.

Am Donnerstag ging es mir dann– abgesehen von einem brutalen Husten – wieder besser und nachdem ich ja meine Wohnung nicht verlassen durfte, tat ich eines der wenigen Dinge, die mir einfielen, die man immer und überall tun kann: arbeiten. Ich schaltete meinen Laptop an und war wie erschlagen von Mails. 

Spätestens im Gespräch mit einer Kollegin, die in vorwurfsvollem Ton sagte, dass ich mich ja wohl schon früher zwischendurch hätte melden können, bereute ich, dass ich mir den klar notwendigen Krankenstand nicht länger gegönnt hatte. So sehr ich auch manchmal glaube, dass ich langsam lerne mich vom Druck unserer Leistungsgesellschaft zu lösen, so oft ertappe ich mich auch beim klaren Gegenbeweis. Und ich war in dem Moment wohl auch enttäuscht, dass mir niemand für meine Selbstaufopferung dankte, sondern wieder 110% gefordert wurden – was mich eigentlich nicht überraschen sollte. War vielleicht doch noch etwas Fieber da? Aber immerhin ist so die Zeit am Donnerstag und Freitag tatsächlich schneller vergangen. 

Und nach einer gefühlten Ewigkeit war dann auch schon Samstag. Der Tag, an dem ich versuchen durfte mich freizutesten. Vor Wochen hatte ich mir einen Brunch mit Freundinnen am Sonntag ausgemacht und wollte danach abends mit Freunden zu einer Drag Show gehen. Die Hoffnung, dass ich dieses Virus nicht mehr habe und nach fast einer Woche des Vereinsamens gleich so viele tolle Dinge machen würde, lies mich durchhalten. 

Gleich als das Testergebnis am Sonntagmorgen da war, sah ich nach. Immer noch positiv. Damit man nicht mehr als ansteckend gilt, muss der CT-Wert über 30 sein. Am Montag hatte ich einen Wert von 18. Am Sonntag waren es 23. Also weit entfernt von 30. Und da überkam mich eine große Welle an Frust. Nicht nur wegen dem Ergebnis, es ist ja eigentlich keine allzu große Überraschung nachdem mein Wert so niedrig war und es mir so dreckig gegangen war. 

Plötzlich war auch der Stich von vor 3 Wochen wieder da, den ich bei meinem Masterprüfungsantritt, den ich nach 2 Monaten des Lernens nicht bestanden hab, gespürt habe. Nach dem Motto: „Wieder ein Test, der nicht wie gewünscht ausging. Wen wunderts? Ich kann ja gar nichts.“

Oh ja, wir Menschen sind schon echt fiese Wesen, wobei ich denke, dass wir oft zu uns selbst am gemeinsten sind. Ich könnte mir jedenfalls niemals vorstellen, dass mir eine Freundin erzählt, dass sie noch coronapositiv ist und meine Antwort darauf wäre „Wundert mich nicht, nachdem du ja sonst auch nichts schaffst.“ Aber bei mir selbst schien mir diese Reaktion völlig logisch. 

Ich lebe schon lange mit Depressionen und Angststörungen. Deswegen gehe ich regelmäßig zur Psychotherapie und seit etwa 3 Jahren nehme ich zusätzlich Tabletten, die dabei helfen sollen „die Spitzen abzufangen“. In der Vergangenheit hat es mir immer sehr geholfen, mich mit vielen Beschäftigungen einzudecken, damit ich ja nicht zu viel mit meinem Kopf alleine bin. Dabei sind wundervolle Dinge entstanden und ich habe so viele schöne Erfahrungen gesammelt, bin aber auch regelmäßig an meine Grenzen gestoßen. 

Die Situation, in der ich jetzt gerade bin, ist mir sehr neu. Keine anderen Menschen da, denen ich die Schuld an meinen negativen Gefühlen kann. Keine Termine, zu denen ich hetzen muss und mich danach aus Zeitmangel nicht auch noch mit meinem Wohlbefinden rumschlagen kann. Hier sitze ich in meiner Wohnung und bin allein mit meinen Gedanken. Und in die negative Gedankenspirale, die bei Depressionen dazugehört, kippe ich diese Woche über immer öfter und tiefer.

Was mir gerade hilft, ist der Gedanke, dass diese Situation enden wird. Irgendwann kann ich wieder raus. Außerdem bin ich nicht die erste oder letzte Person, die so viel Zeit alleine und drinnen verbringen muss. Und wirklich alleine bin ich auch nicht. Es gibt viele tolle Menschen in meinem Leben, die sich gerade täglich informieren wie es mir geht. Außerdem gibt es noch einige andere von denen ich weiß, dass sie jederzeit mit mir telefonieren würden, wenn ich ihnen sagen würde, wie es mir geht.

Ich denke wir sind so einsam und alleine, wie wir es selbst zulassen oder uns einreden.

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Edit: Danke für eure Nachrichten! Weil sich ein paar Sorgen gemacht haben: mir geht es gut, ich wollte mich in diesem Text mal richtig auskotzen und hoffe, dass er jemanden erreicht, der sich nach dem Lesen weniger allein oder komisch fühlt. <3 

Mein Unternehmen ist mehr als ein Job. Darum ist mir wichtig, dass jedes neue Projekt auch zu mir und meinen Werten passt. Denn nur so kann ich die besten Ergebnisse erzielen.